„Ja, aber…“ – Vorbehalte und Ausreden

img-alternative-textBesonders in Veränderungssituationen, die von Mitarbeitern und Führungskräften echte Verhaltensänderungen verlangen, höre ich das „Ja, aber…“ besonders häufig. Es soll einerseits ausdrücken, dass diejenige Person nicht vollständig und absolut gegen die Veränderung eingestellt ist, andererseits aber sich selbst nicht gerne verändern möchte.

Grundsätzlich sind Vorbehalte, z.B. gegen eine neue Veränderung in der Organisation, zunächst mal ganz gesund und nützlich. Es ist immer hilfreich, zu Beginn ein paar Fragen zu stellen, bevor man sich Hals über Kopf in ein neues Veränderungsabenteuer stürzt.

Wir sollten aber Vorbehalte deutlich unterscheiden von Ausreden. Ausreden verwenden wir meistens, um dem Berater, dem Verkäufer, dem Change Manager etc. zu sagen, er möge bitte gehen, ohne ihm zu sagen, dass er bitte gehen möge.

Für mich als Veränderungsbegleiter sind Vorbehalte und Rückfragen immer wieder sehr produktive Möglichkeiten, mit betroffenen Teammitgliedern, Führungskräften oder auch ganzen Teams ins Gespräch zu kommen. Vorbehalte sind ein Weg, gemeinsam mehr über das Veränderungsvorhaben zu lernen, Sichtweisen zu hinterfragen und ggf. zu korrigieren und gleichzeitig den betroffenen Mitarbeitern Hilfe bei der Lösung ihrer spezifischen Probleme in diesem Veränderungsprozess anzubieten.

Dazu im Unterschied haben Ausreden keinerlei produktiven Nutzen. Sie sind für mich eher Äusserungen der Angst, zu etwas überredet zu werden, das man eigentlich nicht will. Diese Ängste zu kennen, sie ernstzunehmen und in der Kommunikation mit ihnen umzugehen ist von großer Bedeutung. Die Zuflucht über längere Zeit in Ausreden zu suchen und dadurch Entwicklungen zu verzögern oder gar zu verhindern, sollte aber nicht zulässig sein.

Ein guter Change Manager sollte daher die Unterschiede zwischen Vorbehalten und Ausreden erkennen können und dadurch besser verstehen, was die betroffenen Mitarbeiter und Teams im Moment noch von einer vollen Zustimmung und Unterstützung der Veränderung abhält. Sind es nur Ausreden? Oder sind es Vorbehalte, mit denen man arbeiten kann?

Messen wir eigentlich das Richtige?

Wenn wir etwas Bestimmtes messen, dann konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit in der Regel darauf. Und wenn unsere Aufmerksamkeit auf einem bestimmten Thema oder einem bestimmten Zusammenhang liegt, wird hier in der Regel auch intensiv gemessen.

Wir sind hungrig nach Zahlen. Zahlen bestimmen unsere Messungen, denn sie stellen eine Vergleichbarkeit her. Und diese Vergleichbarkeit macht es schwer, sich zu verstecken und gibt uns das Gefühl von Ordnung – dieses ist kleiner / besser / größer / schneller / leichter / etc. als jenes.

Genau darin liegt aber auch ein Problem.

Das Einkommen ist zum Beispiel sehr leicht zu messen. Und wir glauben, dass ein höheres Einkommen besser ist als ein niedriges Einkommen. Deshalb halten wir Menschen mit einem höheren Einkommen für besser oder glücklicher und gestehen ihnen mehr Respekt und Würde zu als Menschen, die augenscheinlich weniger Einkommen haben. Eine Falle.

Auch die „Likes“ in sozialen Medien sind leicht zu messen. Darum steht hier die Jagd nach Zustimmung immer mehr im Vordergrund. Wer gewinnt dieses Spiel? Vielleicht am ehesten Exhibitionisten und Zuhälter.

Im Internet-Handel ist die Anzahl der „Fünf-Sterne-Bewertungen“ bares Geld wert. Auch sie ist leicht zu messen. Deshalb streben die Anbieter schon fast verzweifelt nach positiven Bewertungen, um zu gewinnen.

Aber was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich „gewinnen“? Führt die reine Maximierung einer bestimmten Messzahl tatsächlich zu den positiven Ergebnissen, die wir erreichen wollen?

Ist die wirklich wichtige Arbeit immer auch die beliebteste Arbeit? Erreichen wir unsere Ziele wirklich immer nur dann, wenn die Öffentlichkeit es toll findet? Verkauf wir dann automatisch mehr? Ist die Bestseller-Liste identisch mit der Beste-Bücher-Liste?

Wer bewertet da eigentlich? Die populärsten Bücher, die erfolgreichsten Filme werden häufig von Kritikern verrissen. Aber populäre Themen ziehen mehr Käufer an als schwierige Stoffe. Vielleicht bekommen wir bei der Maximierung unserer gut messbaren Erfolgkriterien dann Käufer, die wir gar nicht haben wollten….

Wir sollten deshalb sehr überlegt in der Auswahl unserer Messkriterien vorgehen. Das falsche Messkriterium liefert auch dann falsche Ergebnisse, wenn es besonders leicht zu messen ist.

Präzision ist nicht das Gleiche wie Signifikanz.

Verwenden wir die richtigen Messkriterien für unsere Arbeit und unsere Ergebnisse, dann passieren gute Dinge.

Nehmen wir uns daher mehr Zeit dafür, herauszufinden, welche Messkriterien für uns die Wesentlichen sind. Lassen wir uns nicht zu sehr durch Daten blenden.

Weniger ist hier meistens mehr.