Zeitenwende 2019?

Mit Begeisterung habe ich heute in der Financial Times (UK) den Artikel von Henry Marsh, einem bekannten Neurowissenschaftler, zum Thema „Künstliche Intelligenz“ gelesen.

Er beschäftigt sich mit der Behauptung von Technologie-Gläubigen, das Künstliche Intelligenz es Computern irgendwann ermöglichen wird, genauso zu funtionieren wie das menschliche Gehirn. Aus seiner Sicht ist diese Behauptung kompletter Unsinn. Er bringt es britisch-pragmatisch auf den Punkt: „Sie können Butter nicht mit einem Messer schneiden, das aus Butter ist.“

In der Langform äussert er sich folgendermaßen:

„Ich finde es befremdlich, dass einige Menschen so sicher darüber sind, dass die Ankunft der „superintelligenten“ Maschinen nur eine Frage der Zeit wäre. Sie reden mit religiöser Begeisterung über die „Singularität“, also den Zeitpunkt, an dem die Künstliche Intelligenz der menschlichen Intelligenz gleichkommt.

Dieser Glaube – und das ist alles was es ist – geht häufig mit der Hoffnung einher, dass das menschliche Gehirn mit allen seinen Inhalten in Form eines Computer-Codes übersetzt werden könnte und wir das ewige Leben als Software-Programm erreichen werden. Diese Ideen können nicht ernstgenommen werden, obwohl sie sicherlich sehr gut Bücher verkaufen.“

Dieses vernichtende Urteil erreicht uns gleichzeitig mit einer anderen Nachricht, nämlich von dem bevorstehenden Zusammenbruch der chinesischen Bike-Sharing-Marke OFO, die in den letzten drei Jahren über 2.2 Milliarden USD von Investoren eingesammelt hat.

Auch in der Financial Times lesen wir dazu die Einschätzung, dass das bisherige Geschäftsmodell der Chinesen und des Silicon Valley sich langsam erschöpft: „Sammle gewaltige Mengen Geld ein und verbrenne sie mit maximaler Geschwindigkeit um einen komplettem Markt durch schnelles Wachstum komplett übernehmen zu können!“ Dieses Konzept scheint immer seltener aufzugehen. Prima!

Denn stellen wir uns mal kurz vor, wieviel Gutes mit der irrsinnigen Summe von 2.2 Milliarden USD hätte getan werden können.

Ich plädiere für ein anderes, mir viel sympathischeres Geschäftsmodell:  „Langsam wachsen und echte Werte schaffen!“. DiesenAnsatz finde ich nachhaltiger, ökologischer, ökonomischer und wertvoller. Das wäre eine Zeitenwende in 2019, die uns allen gut tun würde.


Für Interessierte: Hier der Link zum Artikel in der FT:
„Can man ever build a mind?“ 
https://www.ft.com/content/2e75c04a-0f43-11e9-acdc-4d9976f1533b

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